.0 Akute Intoxikation [akuter Rausch]
Ein Zustandsbild nach Aufnahme einer psychotropen Substanz mit Störungen von Bewusstseinslage, kognitiven FÀhigkeiten, Wahrnehmung, Affekt und Verhalten oder anderer psychophysiologischer Funktionen und Reaktionen. Die Störungen stehen in einem direkten Zusammenhang mit den akuten pharmakologischen Wirkungen der Substanz und nehmen bis zur vollstÀndigen Wiederherstellung mit der Zeit ab, ausgenommen in den FÀllen, bei denen GewebeschÀden oder andere Komplikationen aufgetreten sind.
Exkl.: Intoxikation im Sinne einer Vergiftung (T36-T50)
.1 SchÀdlicher Gebrauch
Konsum psychotroper Substanzen, der zu GesundheitsschĂ€digung fĂŒhrt. Diese kann als körperliche Störung auftreten, etwa in Form einer Hepatitis nach Selbstinjektion der Substanz oder als psychische Störung z.B. als depressive Episode durch massiven Alkoholkonsum.
.2 AbhÀngigkeitssyndrom
Eine Gruppe von Verhaltens-, kognitiven und körperlichen PhÀnomenen, die sich nach wiederholtem Substanzgebrauch entwickeln. Typischerweise besteht ein starker Wunsch, die Substanz einzunehmen, Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren, und anhaltender Substanzgebrauch trotz schÀdlicher Folgen. Dem Substanzgebrauch wird Vorrang vor anderen AktivitÀten und Verpflichtungen gegeben. Es entwickelt sich eine Toleranzerhöhung und manchmal ein körperliches Entzugssyndrom.
.3 Entzugssyndrom
Es handelt sich um eine Gruppe von Symptomen unterschiedlicher Zusammensetzung und Schwere nach absolutem oder relativem Entzug einer psychotropen Substanz, die anhaltend konsumiert worden ist. Beginn und Verlauf des Entzugssyndroms sind zeitlich begrenzt und abhÀngig von der Substanzart und der Dosis, die unmittelbar vor der Beendigung oder Reduktion des Konsums verwendet worden ist. Das Entzugssyndrom kann durch symptomatische KrampfanfÀlle kompliziert werden.
.4 Entzugssyndrom mit Delir
Ein Zustandsbild, bei dem das Entzugssyndrom (siehe vierte Stelle .3) durch ein Delir, (siehe Kriterien fĂŒr F05.-) kompliziert wird.
.5 Psychotische Störung
Eine Gruppe psychotischer PhĂ€nomene, die wĂ€hrend oder nach dem Substanzgebrauch auftreten, aber nicht durch eine akute Intoxikation erklĂ€rt werden können und auch nicht Teil eines Entzugssyndroms sind. Die Störung ist durch Halluzinationen (typischerweise akustische, oft aber auf mehr als einem Sinnesgebiet), Wahrnehmungsstörungen, Wahnideen (hĂ€ufig paranoide Gedanken oder Verfolgungsideen), psychomotorische Störungen (Erregung oder Stupor) sowie abnorme Affekte gekennzeichnet, die von intensiver Angst bis zur Ekstase reichen können. Das Sensorium ist ĂŒblicherweise klar, jedoch kann das Bewusstsein bis zu einem gewissen Grad eingeschrĂ€nkt sein, wobei jedoch keine ausgeprĂ€gte Verwirrtheit auftritt.
.6 Amnestisches Syndrom
Ein Syndrom, das mit einer ausgeprĂ€gten andauernden BeeintrĂ€chtigung des Kurz- und LangzeitgedĂ€chtnisses einhergeht. Das ImmediatgedĂ€chtnis ist gewöhnlich erhalten, und das KurzzeitgedĂ€chtnis ist mehr gestört als das LangzeitgedĂ€chtnis. Die Störungen des ZeitgefĂŒhls und des Zeitgitters sind meist deutlich, ebenso wie die Lernschwierigkeiten. Konfabulationen können ausgeprĂ€gt sein, sind jedoch nicht in jedem Fall vorhanden. Andere kognitive Funktionen sind meist relativ gut erhalten, die amnestischen Störungen sind im VerhĂ€ltnis zu anderen BeeintrĂ€chtigungen besonders ausgeprĂ€gt.
Exkl.: Nicht alkoholbedingte(s) Korsakow-Psychose oder -Syndrom (F04)
.7 Restzustand und verzögert auftretende psychotische Störung
Eine Störung, bei der alkohol- oder substanzbedingte VerĂ€nderungen der kognitiven FĂ€higkeiten, des Affektes, der Persönlichkeit oder des Verhaltens ĂŒber einen Zeitraum hinaus bestehen, in dem noch eine direkte Substanzwirkung angenommen werden kann.
Der Beginn dieser Störung sollte in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Gebrauch der psychotropen Substanz stehen. Beginnt das Zustandsbild nach dem Substanzgebrauch, ist ein sicherer und genauer Nachweis notwendig, dass der Zustand auf Effekte der psychotropen Substanz zurĂŒckzufĂŒhren ist. NachhallphĂ€nomene (Flashbacks) unterscheiden sich von einem psychotischen Zustandsbild durch ihr episodisches Auftreten, durch ihre meist kurze Dauer und das Wiederholen kĂŒrzlich erlebter alkohol- oder substanzbedingter Erlebnisse.
.8 Sonstige psychische und Verhaltensstörungen
.9 Nicht nÀher bezeichnete psychische und Verhaltensstörung

Kann nach ICD-10 nicht verschlĂŒsselt werden

Körperliche AbhÀngigkeit:
Typisches Entzugssyndrom nach Absetzen (innere Unruhe, Schlafstörung, ausgeprÀgte Verstimmung, Schreckhaftigkeit, gesteigerte SuggestibilitÀt, Angst, Schwitzen, Erbrechen, Durchfall)
Delirium tremens: zusÀtzlich zeitliche Orientierungsstörungen, optische Halluzinationen (hÀufig gehen EntzugskrampfanfÀlle voraus)

Psychische AbhÀngigkeit:
entwickelt sich allmÀhlich unter wiederholter Substanzzufuhr & unter der Bedingung, dass das Individuum aus eigener Wahl zum Alk. greift (aktive Zufuhr)
Kein Vorliegen von Toleranzentwicklung oder Entzugserscheinungen